Bonnell 902

Bonnell 902

88,3 PS bzw. 87 hp - allein mit dieser Angabe übertrumpft der amerikanische Hersteller Bonnell (Austin/Texas) den Marktführer Stark Varg schon um 10%. Wir wissen auf Grund einer Leistungsmessung, dass die Stark Varg ihre 80 PS bei voll geladenem Akku definitiv liefert.

 

Ob man diese Leistung tatsächlich benötigt steht auf einem anderen Blatt, aber Säbelrasseln gehört in diesem Geschäft einfach dazu. Hinsichtlich der Bonnell muss man vorerst noch auf die Herstellerangaben auf dem Papier vertrauen, denn die ersten Modelle sollen erst im vierten Quartal 2026 auf den Markt eingeführt werden. Optisch macht die Bonnell 902 jedoch schon einen sehr guten Eindruck und dürfte man aus der Ferne betrachtet als nahezu serienreif bezeichnen. Auch wenn man auf der AIMEX (American International Motorcycle Expo) noch von einem Prototypen sprach.

Jetzt kommt's! Denn die 10 Prozent mehr Leistung wären jetzt nicht unbedingt der entscheidende Aspekt, sondern das Gewicht von nur 95,7 Kilogramm. Das wäre ein Gewichtsvorteil von unglaublichen 22,3 Kilogramm gegenüber der Star Varg MX, den man mit einer Sprint-Batterie nochmal um sieben Kilogramm auf beeindruckende 88,7 drücken könnte. Nur ein Wehrmutstropfen bleibt: Wie lässt sich das Teil fahren? Leistung hin oder her, wenn diese nicht auf den Boden gelangt, nützen diese Top-Werte definitiv nichts.

Klar ist dennoch, dass CEO und Gründer Matthew Wauters (EBMX) definitiv im Angriffmodus ist und den größten Hersteller in diesen Segment ins Visier genommen hat. Denn die Besonderheiten des Flaggschiffs Bonnell 902 sind noch nicht alle aufgezählt.

Technische Highlights 902

  • 88,3 PS
  • Höchstgeschwindigkeit: 145 km/h
  • Batterieoptionen: Core 5,6 kWh, Race 6,7 kWh und Sprint 4,7 kWh (-7kg)
  • Aluminium-Rahmen
  • Hydro geformte Schwinge
  • Integriertes Getriebe
  • 43mm SIRRIS Federgabel mit identischen Steifigkeitswerte einer 48mm Gabel
  • 43mm SIRRIS Enduro-Federgabel mit 285 mm Federweg (Optional: 48er Race-Gabel mit 310 mm Federweg)
  • 46er Sirris Enduro-Federbein mit 285 mm Federweg (Optional: 50er Race-Federbein mit 320 mm Federweg)
  • Joy-On Controller via Interface mit 5 einstellbaren Mappings am Lenker
  • Rückwärtsgang
  • Zusatzhebel an der linken Armatur, der mit verschiedenen Funktionen belegbar ist: Kupplungsmodus, Rekuperation, Boost Mode für extra Leistung, Speed Limit, Wheelie Mode, Traktionskontrolle und
  • Gasgriff-Backup-Funktion
  • Gasgriffeinheit mit Doppelseilzug zur Redundanz: Hierbei werden beide Signale der Seilzüge gegeneinander ununterbrochen abgeglichen, um eine mögliche Fehlfunktion auszuschließen
  • Batteriewechsel unter 30 Sekunden: Schnellwechselmechanismus ohne Steckersystem nur durch Abnehmen der Sitzbank und nach oben herausziehbarer Batterie, die über vier Schrauben gesichert ist,
  • letztere verbleiben stets an der Batterie
  • Rahmenschützer gummiert
  • Mobile App
  • Verschiede Cockpitansichten: Ride, Prescision, Performance, Race
  • Temepraturanzeige für Batterie, Controller und Motor usw.
  • Werkzeugkiste mit Drehmomentschlüssel und Platz für persönliches Zusatzmaterial
  • Werkzeugtasche verstaubar unter der Sitzbank

Egal ob Enduro- oder MX-Version: Die Fahrzeuge sind identisch bis auf Gabelbrücken-Kit, Gabel- und Federbein-Setup sowie Umlenkung. Als eine absolut geniale Lösung ist der einstellbare Lenkkopfwinkel, der im Auslieferungsstand 63,5 Grad beträgt. Durch entsprechende Lagerschalenkits (oben und unten mit Lager) kann dieser für schnelle Streckenabschnitte oder enge langsame Passagen in 1-Grad-Schritten angepasst werden. Insgesamt fünf unterschiedliche Winkel sind möglich.

Die Lenkerposition ist 6-fach verstellbar, während die Bonnell über eine Notausschalter mit Doppelfunktion verfügt. Einmal in klassischer Variante mit Zugseil und Magnetschalter, so dass das Bike bei der Trennung von Fahrer und Untersatz abgeschaltet wird oder über einen klassischen Notaus-Schalter, der per Tastendruck deaktiviert wird. Dabei wird das BMS abgeschaltet und es kann kein Strom mehr aus der Batterie fließen, so der Hersteller. Will man das Bike abstellen, so besitzt dieses einen Wireless Schlüssel wie beim Auto, der am vorderen Ende der Sitzbank per Magnet und Verriegelungsmechanismus gesichert ist.

Zu guter Letzt spricht der Hersteller von einem tatsächlich merklichen Preisunterschied zur vergleichbaren Stark Varg, was die Bonnell noch interessanter erscheinen lässt. Doch letztendlich entscheiden immer die Fakten in der erlebten Praxis, was erst im vierten Quartal 2026 zur Überprüfung möglich sein wird. Wann die Bonnell 902 jedoch in Europa verfügbar sein wird, steht noch auf einem ganz anderen Blatt.

Bonnell ist ja eigentlich eher aus der E-MTB Szene bekannt und hierfür gibt es auch schon Service-Partner in Deutschland. Das erste richtige Auftreten von Bonnell im Offroad-Sektor Enduro/MX fand im Rahmen des eher wenig angesagten FIM E-Xplorer World Cup statt. Wer es nicht ganz so drastisch möchte, kann auch auf die schwächer 57,1 PS Variante mit der Bezeichnung Bonnell 805 linsen. Sie ist identisch mit der 902, nur gibt es hier auch eine Version für die Jugend oder Kleingewachsene mit eine Rad-Felgen-Kombination von 19"/16".

So langsam wird es richtig spannend in der E-Mobilität-Welt für den Enduro-/MX-Sektor. Bekanntlich belebt Konkurrenz das Geschäft, was jeder Sparte gut tut. Jetzt heißt es nur noch abwarten, ob die Bonnell ihren Angaben auf dem Papier gerecht wird, der Kaufpreis tatsächlich unter dem der Stark liegt und natürlich wann in Europa mit der Markteinführung zu rechnen sein wird.